Fischereiverbände in Dakhla: „Uns kommt nichts zugute!”
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Drei registrierte Fischerei-Verbände in Dakhla, der Hafenstadt im Süden der besetzten Westsahara, betonen, dass sie bis heute keinerlei Vorteile durch Investitionen und Projekte bemerkt hätten. Ironischerweise kommt ihre Erklärung nur wenige Tage nach der formellen Genehmigung der viel diskutierten Verlängerung des Fischereiabkommens zwischen der EU und Marokko durch die EU-Mitgliedstaaten. Die von der marokkanischen Regierung in allerletzter Minute vorgelegten Angaben waren für die Kommission Grund genug, die Verlängerung des Abkommens zu veranlassen.
Veröffentlicht 09. Juli 2011


In einem Brief an die Europäische Kommission in Brüssel äußern die drei offiziell registrierten Fischereiverbände - Alqandil de Pêche Maritime, Ennawrass de Pêche Maritime und der Verband der Seeleute - ihre Meinung und ihre Anliegen.

In ihrer Erklärung vom 30. Juni 2011 schreiben die Vertreter der drei Organisationen, dass nur noch ein sehr kleiner Prozentsatz der Bevölkerung Dakhlas im Fischereisektor beschäftigt sei – trotz der ständigen Erklärungen der marokkanischen Regierung über angeblich hohe Investitionen in den Hafen.
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"Während Ausgrenzung und Korruption in der Verwaltung unserer Region weit verbreitet sind, haben verheerende Investitionen bereits auch die Mittelschicht unserer Bevölkerung zerstört - einst erwirtschafteten 42% der Einheimischen ihren Lebensunterhalt in der Fischerei. Unter marokkanischer Verwaltung - vor allem in den letzten 15 Jahren - schrumpfte deren Anteil auf 4,9%", heißt es in dieser Erklärung.

"Das marokkanische Fischerei-Ministerium richtet sämtliche Investitionen nach den Wünschen der Lobby großer Unternehmen aus und beteiligt sie an der Ausbeute in. Für sie alle gilt einzig und allein das Prinzip der Profit-Maximierung.“

„Das Fischereiministerium und der marokkanische Staat rechnen zwar ständig ihre Investitionen vor und berichten über die Entwicklungen in der Region, in Wirklichkeit aber tun sie nichts, um die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung zu verbessern und sie von diesen angeblichen “Investitionen“ profitieren zu lassen. Schon gar nicht schaffen sie Arbeitsplätze im Fischereisektor der Region und entwickeln damit einhergehende Projekte.“

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Trotz mangelnder Beweise über den Nutzen für die saharauische Bevölkerung unterstützt die EU dieses Fischerei-Abkommen

Anfangs dieser Woche gab der EU-Ministerrat offiziell grünes Licht für die umstrittene Verlängerung des Fischereiabkommens der EU mit Marokko. Eine Mehrheit der Mitgliedstaaten war der Meinung, Marokko habe hinlänglich die nötigen Beweise erbracht, dass die saharauische Bevölkerung von den Fischerei-Abkommen profitiere.

Aber „die marokkanische Dokumentation – eine PowerPoint-Präsentation mit 44 Folien – enthält keinerlei Hinweise zur Westsahara, sondern verleibt das besetzte Gebiet dem marokkanischen Staatsgebiet ein. Es wird nicht ersichtlich, welchen Nutzen, wenn es ihn überhaupt gäbe, die saharauische Bevölkerung aus dem Fischereiabkommen ziehen würde”, stellt European Voice in einem Artikel fest.

Sieben Mitgliedstaaten – Schweden, Dänemark, Österreich, Finnland, Zypern, Großbritannien und die Niederlande – konnten dem Vorschlag nicht zustimmen. Für sie ist nicht einsehbar, ob und wie und in welchem Umfang die saharauische Bevölkerung der Westsahara von dem Fischereiabkommen einen Nutzen hat.

Die Ansicht und Entscheidung der sieben EU-Länder gründen auf dem UN Rechtsgutachten aus dem Jahr 2002. Dieses hält fest, dass die saharauische Bevölkerung die Verfügungsgewalt über die Ausbeute der natürlichen Ressourcen der Westsahara hat und dass wirtschaftliche Aktivitäten nur im Einverständnis, entsprechend den Wünschen, im Interesse und zum Wohle der saharauischen Bevölkerung ausgeübt werden dürfen.

Aus Mangel an erbrachten Belegen über den tatsächlichen und wie vereinbarten Nutzen der saharauischen Bevölkerung aus dem Fischereiabkommen, verlangte der Rechtsdienst des Europäischen Parlaments im Jahr 2009 die sofortigen Aufkündigung dieses Abkommens.

Misswirtschaft der Fischbestände

In ihrer Erklärung beklagen sich die drei Verbände aus Dakhla auch über die Misswirtschaft in der Fischerei: "Ernsthafte Verstöße gegen die geltenden Regelungen, haben eine rapide Erschöpfung der Fischbestände zur Folge."

Laut Angaben der Fischer wendet die marokkanische Fangflotte auch illegale Fangtechniken wie zum Beispiel Treibnetze an. Von 2007 bis 2011 habe Marokko jährlich eine Million Euro für den Ausstieg aus dieser zerstörerischen Treibnetzfischerei erhalten.

Die Fischer erachten die "unverantwortliche und korrupte Kontrolle von ausländischen Kuttern" in ihren Gewässern als Hauptgrund für die Dezimierung der Fischbestände. Im Bericht namentlich erwähnt wird die mangelnde Bordkontrolle auf den unter marokkanischer, russischer und portugiesischer Flagge laufenden Fangschiffen

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