Österreichischer Chemieriese lehnt Westsahara-Handel ab
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Zwei Monate nach dem Gasexport von einem Terminal in Schweden in die besetzte Westsahara verspricht die dafür verantwortliche österreichische Firma, dass dies nie wieder geschehen wird.

Veröffentlicht 31. May 20

"[Im] Einklang mit unserem vollen Bekenntnis zu verantwortungsvollen Lieferketten und Ethischem Wirtschaften werden wir uns in Zukunft darum bemühen, die Kunden ausdrücklich aufzufordern, von Lieferungen unserer Produkte in einen Hafen innerhalb des Territoriums der Westsahara abzusehen, auch wenn dies gesetzlich zugelassen ist", schrieb der Vorstandsvorsitzende des österreichischen Chemieunternehmens Borealis, Alfred Stern, in einem Brief (auf englisch) an Western Sahara Resource Watch am 26. Mai 2020.

Die Erklärung folgte auf die Enthüllung, dass ein Frachtschiff Autogas (LPG) aus der Anlage von Borealis in Stenungsund, Schweden, in die besetzte Westsahara transportiert hat.

Die umstrittene Ladung kam am 22. März 2020 an Bord des Tankers Emmanuel (IMO 9580182) in den besetzten Gebieten an. Unseren Informationen zufolge hat das Schiff die Ladung während eines 27-stündigen Aufenthaltes an der Anlegestelle von Borealis AB in Stenungsund vom späten Nachmittag des 13. März bis zum Abend des 14. März geladen.

Borealis stellt nun klar, dass die Fracht an einen Kunden im Vereinigten Königreich (UK) exportiert wurde und dass es "keine Informationen über den Endbestimmungshafen hatte, wie es in unserem Geschäft üblich ist".

Das Frima mit Hauptsitz in Wien ist eines der größten österreichischen Unternehmen und beschäftigt weltweit 6.900 Mitarbeitern in über 120 Ländern.

Die Klarstellung von Borealis erfolgte nur eine Woche, nachdem das norwegische Unternehmen Equinor sein Bedauern über den Gasexport aus Norwegen in das besetzte Gebiet zum Ausdruck gebracht und versprochen hatte, dass dies nie wieder geschehen würde. Es ist nicht bekannt, welches Unternehmen das Gas, das aus Stenungsund exportiert wurde, ursprünglich produziert hatte.

Die Erklärung von Borealis war die Antwort auf einen Brief, den drei NGOs am 12. Mai 2020 an die Firmenzentrale in Österreich geschickt hatten. Der Brief wurde von der Österreichisch Saharauischen Gesellschaft, Emmaus Stockholm und Western Sahara Resource Watch (WSRW) unterzeichnet.

"Durch die Bereitstellung von Gaslieferungen für die marokkanische Interessen in der Westsahara hat Borealis dazu beigetragen, die Position Marokkos in dem Konflikt zu festigen, da es wichtige marokkanische Industrien vor Ort beliefert", schrieben die drei Verbände.

Nun ist der Ton ist ein anderer: "Wir begrüßen die klare Antwort von Borealis auf unsere Bedenken und sein Versprechen, solche Exporte in Zukunft nicht mehr zu tätigen. Borealis und Equinor sind zusammen mit gutem Beispiel für ihren Industriezweig vorangegangen. Wir fordern insbesondere die schwedische Reederei Wisby Tankers auf, diesem Weg zu folgen und alle Transporte von Erdölprodukten aus spanischen Raffinerien in das besetzte Gebiet einzustellen. Diese Industrie treibt die brutale marokkanische Besatzung an", sagte die Vorsitzende der Österreichisch Saharauischen Gesellschaft, Karin Scheele.

Scheele ist ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments, wo sie Leiterin der interfraktionellen Arbeitsgruppe für die Westsahara war.

Sie unterstrich, dass die Behauptung, der Export in die Westsahara "gesetzlich zugelassen" sei, in Frage gestellt werden könne. Nach internationalem Recht müssten Unternehmen und Regierungen die Genehmigung der zuständigen Verwaltungsbehörden im Territorium einholen, um die Rechtmäßigkeit ihrer Aktivitäten sicherzustellen. Marokko könne als Besatzungsmacht jedoch nicht die zuständige Behörde stellen.

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