EU-Konsumenten unterstützen unwissentlich die Besetzung der Westsahara
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Ein aktueller Bericht von Western Sahara Resource Watch dokumentiert, wie Produkte aus der umstrittenen Agro-Industriezone der besetzten Gebiete der Westsahara in den Einkaufskorb der unwissenden europäischen Konsumentinnen und Konsumenten gelangen.

Veröffentlicht 18. Juni 2012

Am 1. Juli wird ein neues Agrar-Abkommen zwischen der EU und Marokko in Kraft treten. Durch dessen unklar abgegrenzten räumlichen Geltungsbereich wird eine größere Menge an Frischprodukten aus der besetzten Westsahara auf den europäischen Markt gelangen.

Ein aktueller Bericht von Western Sahara Resource Watch dokumentiert, wie Produkte aus der umstrittenen Agro-Industriezone der besetzten Gebiete der Westsahara in den Einkaufskorb der unwissenden europäischen Konsumentinnen und Konsumenten gelangen. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse gedeihen auf Plantagen, über deren Grund und Boden der König von Marokko selbst verfügt oder die im Besitz von französisch-marokkanischen Konzernen sind.

Vom Ertrag und von der Beschäftigungsmöglichkeit, die dieses kostbare Land generiert, profitiert einzig die Besatzungsmacht. Dies untergräbt die Bemühungen der Vereinten Nationen um eine Lösung des Konflikts“, legt Sara Eyckmans von Western Sahara Resource Watch dar.

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Der Bericht, 'Label and Liability’, verrät, wie die Branche dank einer systematisch falschen Herkunftsbezeichnung der Erzeugnisse aufblüht und die Kundinnen und Kunden im Dunkeln lässt.

"Es gibt in den europäischen Supermärkten Tomaten aus den besetzten Gebieten der Westsahara mit systematisch falscher Etikettierung. Dies ist eine direkte Verletzung einer der Schlüsseldirektiven der EU, die den Verbraucherinnen und Verbrauchern zusichert, bezüglich des Herkunftslandes der Produkte wahrheitsgetreu informiert zu werden“ erklärt Eyckmans weiter.

Der gesamte Handel mit Marokko scheint von der EU nicht hinterfragt zu werden. Die Produkte werden vor Ort, also in den besetzten Gebieten der Westsahara, vom marokkanischen Landwirtschaftsministerium mit der Etikette "Marokko" zertifiziert. Diese Amtsstellen sind von der EU offiziell anerkannt. Die EU wendet somit bei den Erzeugnissen aus der besetzten Westsahara einen völlig anderen Ansatz an als bei entsprechenden Produkten aus den israelischen Siedlungen im besetzten Palästina.

Der Bericht nennt auch die Firmenlabels von Gemüse, bei denen beim Kauf in lokalen Geschäften Vorsicht geboten ist.

"Beim Inkrafttreten des neuen Handelsabkommens mit Marokko muss die EU unverzüglich die Einfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den besetzten Gebieten der Westsahara stoppen“, führt Eyckmans weiter aus.

Der Bericht wird von der internationalen Organisation Western Sahara Resource gemeinsam mit Emmaus Stockholm aus Schweden veröffentlicht und kann unter www.wsrw.org heruntergeladen werden.

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