Kennen Sie ein Geschäft, das Konflikt-Tomaten verkauft?
Article image

Heute beginnt Marokkos Export-Saison für Tomaten. Aber einige dieser „marokkanischen" Tomaten, die Sie demnächst in „Ihrem“ Geschäft finden werden, wurden unter Missachtung des Völkerrechts unter militärischer Besatzung gezogen. Haben Sie „dreckige“ Tomaten entdeckt? Helfen Sie uns, sie in „Ihrem“ Geschäft zu orten!

Veröffentlicht 01. Oktober 2013
tn_agric_labels.jpg

Westsahara Ressource Watch (WSRW) braucht Ihre Hilfe, um die genaue Herkunft der Tomaten zu dokumentieren, die mit einem Label „aus Marokko“ versehen sind. 

Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass solche Tomaten in Wirklichkeit aus der Region um Dakhla, einer Stadt im Süden der besetzten Westsahara, stammen. Diese Produkte werden fälschlicherweise als „marokkanisch“ deklariert. Die Herkunft dieser Tomaten wird „als aus Marokko“ angegeben, dem nördlichen Nachbarstaat der Westsahara, der das Gebiet 1975 überfallen hat. Bis heute hält Marokko unter eklatanter Missachtung des Völkerrechts weiterhin große Teile der Westsahara besetzt und verkauft einfach dessen Ressourcen und Erzeugnisse - neuerdings darunter auch Tomaten - als wären sie marokkanisches Eigentum. Sobald aber diese Produkte ihren Weg weltweit in Supermärkte gefunden haben, ist ihre wirkliche Herkunft aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden.

Worin besteht das Problem?
- Kunden haben das Recht, darüber informiert zu sein, welche Produkte sie kaufen. Verbraucherinnen und Verbraucher aber werden nicht nur getäuscht, wenn Produkte aus der Westsahara als „marokkanisch“ gekennzeichnet sind, sondern auch noch daran gehindert, nach umfassender Information selbstständig zu entscheiden, ob sie ein solches Produkt kaufen oder lieber meiden wollen.
- Wenn Sie Produkte aus der besetzten Westsahara kaufen, tragen Sie zur Verfestigung der unhaltbaren Ansprüche Marokkos über dieses Gebiet bei: Bitte achten Sie darauf, dass Ihr Geld nicht für eine brutale Besatzung Verwendung findet.
- Weder profitieren die Saharauis aus dem Agrarsektor, noch haben sie je der Entwicklung der Agro-Industrie in ihrem Land zugestimmt. All diese agro-industriellen Anlagen rund um Dakhla befinden sich entweder im Besitz französisch-marokkanischer Konglomerate oder dem König von Marokko selbst, nicht aber im Besitz irgendeines Saharauis.
- Gemüseanbau in der Wüste erfordert riesige Mengen an Wasser, die aus großen Tiefen gepumpt werden und nicht erneuerbar sind: Somit wird nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft des saharauischen Volkes gefährdet.
- Etwa 160.000 Saharauis leben unter äußerst prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern in Algerien. Ihnen mangelt es u.a. extrem an frischem Obst und Gemüse. Es ist eine Schande, dass dieses Besatzungsregime jetzt auch noch Profite aus solchen Produkten schlägt, an denen es den Menschen äußerst mangelt, die aus dem Gebiet fliehen mussten, um den Schrecken des Krieges zu entrinnen.

Helfen Sie WSRW, gestohlene Tomaten aufzuspüren! Als Verbraucherin und Verbraucher verfügen Sie über eine Menge an Möglichkeiten, diesen Diebstahl zu unterbinden. Hier sind unsere Vorschläge, was Sie tun können, wenn sie auf potenziell problematische Tomaten stoßen, deren Herkunft als „aus Marokko” gekennzeichnet ist: 

1. Bitte machen Sie Fotos:
Machen Sie Fotos von diesen Tomaten, sodass Marke, Barcode und angebliche Herkunft deutlich erkennbar sind und schicken Sie uns diese Fotos, und zwar an: tomato@wsrw.org. Bitte nennen Sie uns den genauen Namen und die Adresse des Geschäftes, in dem Sie die Fotos gemacht haben.

Bitte achten Sie auf die Firmennamen. Aber Vorsicht: Tomaten aus der Westsahara werden auch unter Eigenmarken verkauft, wie es zum Beispiel von REWE, die teils auch noch mit dem Label “pro Planet” – für besondere soziale Verantwortung – ausgezeichnet sind. Lassen Sie sich nicht verwirren! Orientieren Sie sich vor allem an dem genannten Herkunftsland, nämlich Marokko.

2.Nehmen Sie Kontakt zu der Filialleitung auf
Als Verbraucherin und Verbraucher haben Sie das Recht, die genaue Herkunft eines Produktes zu erfahren! Fragen Sie die Filialleitung nach der genauen Herkunft: Sie müsste in der Lage sein, Herkunftsangaben zu machen, die weit über die Länderherkunft hinausreichen.

Sollte die Filialleitung Ihnen die gewünschten Informationen verweigern, wenden Sie sich bitte schriftlich an den Kundendienst des Einzelhandelsunternehmens. Als Anregung für ein solches Anschreiben können Sie gerne diesen text (25 KB) verwenden. Bitte senden Sie eine Kopie der Antwort des Unternehmens an: tomato@wsrw.org.

3. Informieren Sie Ihre Volksvertretenden 
Drängen Sie IhreN AbgeordneteN, Ihre Regierung mit diesen Tatsachen zu konfrontieren: Kein kein Land unserer Welt erkennt Marokkos Anspruch über die Westsahara an, aber warum duldet Ihre Regierung den Verkauf von gestohlenen Produkten aus der Westsahara in Ihrem Land, indem sie kurzerhand als „aus Marokko” gekennzeichnet werden? Und warum lässt Ihre Regierung zu, dass Sie als Verbraucherin und Verbraucher über die wirkliche Herkunft eines Produktes im Unklaren gelassen werden?
 

Nachrichten

EU-Konsumenten unterstützen unwissentlich die Besetzung der Westsahara

Ein aktueller Bericht von Western Sahara Resource Watch dokumentiert, wie Produkte aus der umstrittenen Agro-Industriezone der besetzten Gebiete der Westsahara in den Einkaufskorb der unwissenden europäischen Konsumentinnen und Konsumenten gelangen.

18. Juni 2012

Die Zeit: Saftiges aus der Sahara

Wie Tomaten aus Afrikas letzter Kolonie bei Migros und Coop landen – und damit internationales Recht verletzt wird.
02. April 2013

Deutsche Messe soll die Förderung von Azura einstellen, sagen Gruppen

Deutsche und irische Rechtsorganisationen fordern, dass die Messe Berlin den umstrittenen französischen Tomatenproduzenten Azura nicht mehr akzeptiert.

10. September 2019

Neuer Bericht: Marokko nutzt grüne Energie, um seine Besatzung ins rechte Licht zu rücken

Im Jahr 2030 könnte die Hälfte der marokkanischen Windenergieproduktion illegal in der besetzten Westsahara erzeugt werden. Dennoch präsentiert sich Marokko als Klassenbester bei der Energiewende.

06. Oktober 2021