Worley bestätigt umstrittene Pipeline-Studie
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Das australische Unternehmen bestätigt, eine Planungsstudie für eine Pipeline durch die Westsahara durchzuführen, vier Monate nachdem WSRW das Unternehmen in dieser Angelegenheit kontaktiert hatte.

23. Mai 2022

Die obige Karte stammt von der Website von Worley.

In einer Pressemitteilung, die am 26. April 2022 auf seiner Website veröffentlicht wurde, bestätigte das australische Ingenieurbüro Worley Ltd, dass es "den Zuschlag für die Durchführung einer Front-end engineering design Planungsstudie (FEED-Phase II) für das Nigeria-Marokko-Gaspipeline Projekt (NMGP) erhalten hat". 

Bei der NMGP handelt es sich um eine neue regionale Onshore- und Offshore-Gaspipeline, die als Fortsetzung der bestehenden West Africa Gas Pipeline (WAGP) zwischen Nigeria, Benin, Togo und Ghana die Erdgasvorkommen Nigerias an 13 Länder in West- und Nordafrika liefern soll. Das NMGP-Projekt wird vom marokkanischen Office National des Hydrocarbures et des Mines (ONHYM) und der Nigerian National Petroleum Corporation gefördert. Die 7000 Kilometer lange NMGP soll in Nigeria beginnen und in Tanger enden, dem marokkanischen Hafen an der Straße von Gibraltar, mit einer möglichen Verlängerung nach Europa über Spanien. Die Pipeline wird also durch die besetzte Westsahara verlaufen, ohne die Zustimmung des Volkes der Westsahara.

Auf der Website von Worley heißt es, die Pipeline werde "durch 11 westafrikanische Länder verlaufen und bis nach Europa reichen" - ein möglicher Hinweis darauf, dass Worley die Westsahara nicht als ein von Marokko getrenntes Hoheitsgebiet betrachtet. Die Website enthält auch eine grafische Darstellung des Verlaufs der Pipeline, die die Westsahara als Teil Marokkos zeigt. Die obige Abbildung zeigt einen Screenshot dieser Karte auf der Webseite von Worley, aufgenommen am 28. April 2022. 

Der Großteil der Westsahara steht seit den 1970er Jahren unter marokkanischer Fremdherrschaft, und Marokko verweigert den Bewohner:innen des Gebiets ihr international anerkanntes Recht auf Selbstbestimmung und Entkolonialisierung. 

Während Worley die zweite Phase der FEED durchführen wird, werden Berichten zufolge auch mehrere seiner Tochtergesellschaften an dem Projekt beteiligt sein. Das in den Niederlanden ansässige Unternehmen Intecsea wird für die gesamten FEED-Dienstleistungen zuständig sein, einschließlich der Entwicklung eines Rahmens für die Projektdurchführung und der Überwachung der technischen Begutachtung. Das Team des Unternehmens in London, Großbritannien, wird für den Onshore-FEED-Bereich sowie für die Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung (ESIA) und die Landerwerbsstudien (LAS) verantwortlich sein. Dabei wird es von Worleys Netzwerk von Niederlassungen in Afrika und seiner globalen integrierten Liefergruppe in Hyderabad, Indien, unterstützt. Advisian, das Beratungsunternehmen von Worley, wird sich mit der Beschleunigung der Elektrifizierung und der Möglichkeit der Energieautarkie in der Region befassen

Western Sahara Resource Watch (WSRW) hat am 5. Mai 2022 einen Brief an Worley gesendet und gefragt, ob das Unternehmen die Rechte des Volkes der Westsahara berücksichtigt hat, als es sich bereit erklärte, die Studie zu übernehmen. Bislang hat das Unternehmen nicht geantwortet, auch nicht auf ein früheres Schreiben vom Dezember 2021

WSRW hat Worley bereits früher wegen seiner Beteiligung an mehreren anderen Projekten der marokkanischen Regierung in der besetzten Westsahara kontaktiert: Durch eine 50/50-Beteiligung an dem Joint Venture JESA ist Worley gemeinsam mit dem staatlichen marokkanischen Phosphatunternehmen OCP Eigentümer einer integrierten Düngemittelplattform und eines neuen Phosphat-Hafenkais in der besetzten Westsahara. JESA ist auch der Eigentümer des Foum El Oued Technopole-Projekts, das sich in den besetzten Gebieten befindet. Auf keines der Schreiben von WSRW an Worley vom 9. Dezember 2019 und 17. März 2021 wurde geantwortet. 

Ein wichtiger Geldgeber der Studie ist die Organisation erdölexportierender Länder OPEC, die ebenfalls nicht auf die Briefe von Western Sahara Resource Watch geantwortet hat.  

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