Neuer Bericht: Phosphatexport aus der Westsahara halbiert
Article image

Der Export von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara war noch nie geringer als 2019. Dies geht aus dem neuen WSRW-Bericht P for Plunder hervor, der heute veröffentlicht wurde.

Veröffentlicht 24. February 20

Western Sahara Resource Watch (WSRW) hat heute die neue Ausgabe des Jahresberichts P for Plunder veröffentlicht. Der Übersichtsbericht dokumentiert den Handel Marokkos mit Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara im Kalenderjahr 2019.

Der Bericht zeigt, dass im Jahr 2019 19 Schiffe insgesamt 1,03 Millionen Tonnen Phosphat im Wert von schätzungsweise 90,4 Millionen US-Dollar aus dem besetzten Territorium ausgeführt haben.

Die englische Version des Berichts finden Sie hier. 

Das ist die niedrigste jemals aufgezeichnete Menge. Im Vergleich zum Jahr 2018 haben sich die Ausfuhren praktisch halbiert.

Der massive Rückgang steht vor allem im Zusammenhang mit dem Rückzug der kanadischen Firma Nutrien, welche in den letzten Jahren rund 50% des umstrittenen Konfliktminerals importiert hat. Da das weiße Gold der Westsahara nun nicht mehr nach Nordamerika exportiert wird, sind nur noch eine Handvoll Unternehmen in den umstrittenen Handel involviert.

Der Anteil Indiens am Export liegt mittlerweile bei fast 50%, der Löwenanteil davon landete bei Paradeep, einem Joint-Venture des Office Cherifien de Phosphate (OCP).

Nicht weniger als ein Drittel der Exporte des Jahres gingen nach Neuseeland, an die Landwirtschaftsgenossenschaften Ravendown und Ballance Agri-Nutrients, die sich zunehmend der Kritik der neuseeländischen Zivilgesellschaft ausgesetzt sehen.

Das vergangene Jahr war außerdem von vier geheimnisvollen Lieferungen geprägt. Zwei davon waren kleinere Mengen, die nach Brasilien gingen. WSRW verdächtigt den Düngemittelproduzenten Fertipar als Importeur, hat jedoch keine Antworten auf seine Anfragen an das Unternehmen erhalten. Die anderen beiden Lieferungen gingen an zwei verschiedene Häfen in China. Es ist unklar, wer der Importeur ist.

Der Bericht gibt auch Aufschluss über Unternehmen, die an den technischen Aspekten der 
Ausbeutung der Phosphatreserven der Westsahara in Marokko beteiligt sind, darunter Continental, Siemens, Worley und Epiroc/AtlasCopco, sowie über die Schifffahrtsunternehmen, die den Transport des umstrittenen Rohstoffs rund um den Globus sicherstellen.

Seit in Panama und Südafrika im Jahr 2017 Schiffe, die Phosphat aus der Westsahara transportierten, festgesetzt worden sind, hat bis heute keine einzige Ladung die Route über das Kap der Guten Hoffnung oder durch den Panamakanal genommen.

WSRW fordert alle am Handel beteiligten Unternehmen auf, den Kauf von Phosphat aus der Westsahara unverzüglich einzustellen, bis eine Lösung des Konflikts gefunden und dem saharauischen Volk die Ausübung seines Grundrechts auf Selbstbestimmung zugesichert wurde. Investoren werden aufgefordert, sich dafür zu engagieren bzw. ihre Anteile zu veräußern, es sei denn, die Unternehmen verpflichten sich eindeutig zum Rückzug aus dem Handel.

Entsprechende P for Plunder Berichte wurden auch in den Jahren 2014, 2015, 2016, 2017, 2018 und 2019 veröffentlicht. Eine englische Druckversion des neuen Berichts kann hier heruntergeladen werden (13Mb).
 

Nachrichten

Neuer Bericht deckt Kund:innen des Konfliktminerals aus der Westsahara auf

Besonders Indien und Neuseeland fallen als Hauptimportierende von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara auf, wie WSRWs neuester Jahresbericht zu dem umstrittenen Handel zeigt. 

13. Apr 21

Das sind die Fragen, die Siemens nicht beantwortet

Bei Kernfragen zum umstrittenen Engagement des Unternehmens in der besetzten Westsahara war Siemens Gamesa auf seiner Hauptversammlung so ausweichend wie immer.

01. Apr 21

Wird thyssenkrupp weiter Geschäfte in der Westsahara machen?

Der deutsche Maschinenbaugigant bleibt undeutlich bei Aussagen, ob es von zukünftigen Projekten in der besetzten Westsahara Abstand nehmen wird. 

17. Mar 21

ENGIE und Global Diligence starten intransparente 'Konsultation'

Die französische Firma ENGIE wird in der Westsahara Infrastruktur bauen und hat die Beratungsfirma Global Diligence beauftragt, ihre Geschäfte mit der Besatzungsmacht reinzuwaschen. 

16. Mar 21