Rekordtief bei Anzahl der Phosphat-Importunternehmen aus der Westsahara
62a78224e0a0f_bucraa1

Im Jahr 2025 importierten nur drei Unternehmen Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara – so wenige wie noch nie zuvor. Diese Ergebnisse sind in unserem heute veröffentlichten Jahresbericht „P for Plunder“ zu finden.

29. May 2026

Alles Leben auf dem Planeten und damit auch die gesamte landwirtschaftliche Produktion hängt von Phosphor (P) ab. Das Element kommt in Phosphatgestein vor und wird zu Düngemitteln verarbeitet. Für die Menschen in der Westsahara bringt ihr P jedoch keinen Nutzen. Ganz im Gegenteil.

Zum dreizehnten Mal in Folge veröffentlicht Western Sahara Resource Watch (WSRW) einen detaillierten jährlichen Überblick über die Unternehmen, die am Kauf von Phosphat aus der besetzten Westsahara beteiligt sind. Das illegal abgebaute Phosphatgestein ist eine der Haupteinnahmequellen Marokkos in dem Gebiet, das es unter Verletzung des Völkerrechts besetzt hält. Das sahrauische Volk hat sich sowohl in der UNO als auch gegenüber bestimmten Unternehmen konsequent gegen diesen Handel ausgesprochen.

Den kompletten Bericht können Sie hier herunterladen.

Im Bericht ist für das Kalenderjahr 2025 eine vollständig Liste aller Phosphatlieferungen aus der besetzten Westsahara aufgeführt. Insgesamt verließen 36 Schiffe das Gebiet mit etwa 2,02 Millionen Tonnen Phosphatgestein, was einen starken Anstieg gegenüber den 1,45 Millionen Tonnen im Jahr 2024 darstellt. Exportmengen dieser Größenordnung wurden von WSRW seit 2014 nicht mehr verzeichnet verzeichnet.

Marokko hat seit 2021 umfangreiche Investitionen in den Hafen und die Anlagen in Bou Craa getätigt. Seit Beginn der Besatzung im Jahr 1975 hat Marokko ausschließlich rohes Phosphatgestein verkauft. In naher Zukunft, vielleicht sogar schon in einem Jahr, wird das Phosphat auch in einer wertvolleren, verarbeiteten Form exportiert werden. Dadurch wird der Handel lukrativer. Marokkos Einnahmen aus der Bou-Craa-Mine sind seit 2021 gestiegen, insbesondere als Folge der russischen Invasion in der Ukraine. Es ist schwierig, den genauen Wert der Exporte zu beziffern. Schätzungen von WSRW legen nahe, dass er sich für das Jahr 2025 auf etwa 376,5 Millionen US-Dollar belaufen könnte.

Das mit Abstand größte Importland im Jahr 2025 war Indien mit 1,34 Millionen Tonnen, gefolgt von Mexiko mit 508.000 Tonnen und Neuseeland mit 171.000 Tonnen. Noch nie zuvor haben so wenige Länder Phosphat aus der Westsahara bezogen.

Die Importe nach Indien stiegen im vergangenen Jahr deutlich an, wobei das Unternehmen durchschnittlich zweimal im Monat Lieferungen erhielt – doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

WSRW fordert die übrigen an diesem Handel beteiligten Unternehmen auf, alle Käufe und Lieferungen von Phosphat aus der Westsahara unverzüglich einzustellen, bis eine Lösung für den Konflikt gefunden ist. Investor:innen werden aufgefordert, sich für ein Ende der Lieferungen einzusetzen bzw. ihre Beteiligungen abzustoßen, sofern keine Maßnahmen ergriffen werden.


 

Da Sie schon einmal hier sind...

Die Recherchen von WSRW werden mehr denn je gelesen und genutzt. Unsere Arbeit ist zum überwiegenden Teil ehrenamtlich, sie erfordert Zeit, Hingabe und Sorgfalt. Aber wir tun sie, weil wir glauben, dass sie wichtig ist - und wir hoffen, dass Sie das auch tun. Mit einer kleinen monatlichen Unterstützung können Sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Zukunft von WSRW zu sichern und dafür sorgen, dass wir weiterhin unseren komplett unabhängigen Recherchen nachgehen können. 

Eine regelmäßige Spende können Sie hier einrichten. Vielen Dank!  

Nachrichten

Guterres erinnert Marokko: Das Recht auf Selbstbestimmung gilt weiterhin

In einer seiner letzten Erklärungen als UN-Generalsekretär hat António Guterres unmissverständlich klargestellt: Das Ende der MINURSO hebt das unveräußerliche Recht des sahrauischen Volkes auf Selbstbestimmung nicht auf. Damit erinnert er daran, dass Marokko die Westsahara-Frage nicht einfach deshalb für abgeschlossen erklären kann, weil die UN-Mission das Gebiet verlässt.

02. November 2026

Marokko vergibt riesige Flächen in der besetzten Westsahara

Aus Ende Oktober veröffentlichten Unterlagen des marokkanischen Staatshaushalts geht hervor, dass das Königreich Zehntausende Hektar Land in der besetzten Westsahara für Investitionsprojekte vergeben hat.

02. November 2026

Selbstbestimmungsrecht verteidigen, aber dagegen stimmen

Unsere Analyse der Abstimmung im UN-Sicherheitsrat zur Westsahara zeigt eine auffällige Diskrepanz zwischen den Äußerungen einiger Regierungen zum Selbstbestimmungsrecht des sahrauischen Volkes und ihrem Abstimmungsverhalten.

31. October 2026

MINURSOs Zukunft ungewiss: USA und Russland blockieren konkurrierende Resolutionen

In einer außergewöhnlichen Konfrontation blockierten die beiden ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats gegenseitig ihre Vorschläge zur Westsahara. Da keine der beiden Resolutionen verabschiedet wurde, steht die UN-Mission vor dem bevorstehenden Ablauf ihres Mandats.

30. October 2026