China Molybdenum schweigt zu möglichen Konfliktmineral-Importen
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WSRW hat den Transport von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara bis hin zu einem Industriegelände in Cubatão, Brasilien, verfolgt.

Veröffentlicht 09. February 21

Drei Schiffsladungen mit einer geschätzten Gesamtmenge von rund 100.000 Tonnen Phosphatgestein wurden im Jahr 2020 aus der besetzten Westsahara nach Brasilien transportiert. Western Sahara Resource Watch (WSRW) hat die Ladung bis zum Hafen von Santos im Bundesstaat São Paolo im Süden Brasiliens und weiter zu einem Industriegelände in Cubatão,12 Kilometer landeinwärts vom Hafen Santos, verfolgt. 

Die Ladung wurde im Hafen von Santos auf eine Flotte großer LKW verladen und landete schließlich hinter den Toren des geschlossenen Industriegeländes, in dem sich zwei Unternehmen befinden: Cesari Fertilizantes (Cefértil), Teil der Grupo Cesari, und Copebras, eine Tochter des chinesischen Konzerns China Molybdenum (CMOC). Aus unabhängigen Quellen in Santos erfuhr WSRW, dass die Ladung für Cefértil und Copebras bestimmt war.

WSRW hat beide Unternehmen um Auskunft darüber zu geben, ob das Konfliktmineral für ihre Werke bestimmt war; keines der beiden hat jedoch geantwortet. Der Handel nach Brasilien ist damit vergleichsweise neu: er wurde 2019 aufgenommen, nachdem die großen nordamerikanischen Importe eingestellt worden waren. 

Am 28. Januar 2021 veröffentlichte die brasilianische Zeitung Brasil de Fato einen Artikel über die Importe in die Region Santos. Die Zeitung hatte Cefértil und Copebras auch kontaktiert.

Dabei gab es keine Antwort von Copebras Indústria Ltda, dem Phosphor-Bergbauunternehmen und Hersteller von Phosphatdünger, das sich zu 100 % im Besitz des chinesischen Bergbauunternehmens China Molybdenum Co., Ltd befindet, welches an der Börse in Hongkong und Shanghai notiert ist.

Ein Teil des Phosphatgesteins aus Bou Craa landete am Straßenrand, als einer der LKW auf dem Weg vom Hafen nach Cubatão einen Zwischenstopp einlegte.

Die brasilianische Cesari-Gruppe, Eigentümerin von Cefértil, antwortete, dass Cefértil kein sahrauisches Phosphat für seine Rezepturen verwendet. "Darüber hinaus enthalten unsere Industrialisierungs- und Lagerverträge spezifische Klauseln, in denen der Kunde für die Herkunft des Produkts verantwortlich ist", erklärte das Unternehmen.

Das große Industriegebiet der Grupo Cesari in Cubatão bietet mehreren Unternehmen Lagermöglichkeiten, darunter auch Firmen, die nicht zum Portfolio von Cesari gehören. Ein solches Unternehmen ist Mosaic Fertilizantes, die brasilianische Tochtergesellschaft der Mosaic Company, dem größten Phosphatdüngemittelhersteller in den USA.

Im Jahr 2015 teilte The Mosaic Company mit, dass es kein Phosphat mehr aus der Westsahara importieren würde. Diese Position wurde 2019 gegenüber WSRW bestätigt, und nun erneut gegenüber Brasil de Fato.

"Mosaic Fertilizantes bestätigt, dass es die Cesari / Cefértil Gruppe als Partnerin für Industrie- und Lagertätigkeiten hat und nicht als Rohstofflieferantin", schrieb Mosaic. "Das Unternehmen bekräftigt, dass es mit der Verwendung von Rohstoffen aus illegalem Abbau nicht einverstanden ist und [...] alle Gesundheits- und Sicherheitsstandards einhält und die gleiche Einhaltung von allen seinen Geschäftspartner:innen verlangt". Das Unternehmen fügte hinzu, dass es "nicht für den Kauf der Produkte verantwortlich ist, die von den Schiffen aus der Westsahara stammen und im letzten Jahr für Cesari bestimmt waren."

Einer der vielen Lastwagen, die das Phosphatgestein transportierten.

Eine der Fragen von WSRW an Cefértil war, ob Düngemittelprodukte, die auf dem Firmengelände hergestellt werden, einen anderen Markennamen als Mosaic tragen könnten, und wenn ja, welchen. Diese Frage bleibt unbeantwortet. 

WSRW hat seit Juli 2019 mehrere Verschiffungen von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara nach Brasilien beobachtet. Im Juli 2019 ankerte der Schüttgutfrachter Orient Tribune in den Häfen von Salvador und Antonina. Im Oktober 2019 war es die Wulin, die in Santos andockte. Im April 2020 traf die Golden Bonnie mit geschätzten 32.200 Tonnen Phosphat in Santos ein, im Juni folgte die Lalis D mit 33.000 Tonnen. Ein Foto der Lalis D im Hafen von Santos finden Sie hier. Gegen Ende des Jahres erreichte die Regius den Hafen von Santos mit einer Ladung von rund 33.400 Tonnen.

Brasilien ist weltweit der viertgrößte Verbraucher von phosphatbasierten Düngemitteln. Die staatliche marokkanische Phosphatgesellschaft OCP SA, die illegal die Phosphatmine in der Westsahara betreibt, hat sich 2010 in dem Land niedergelassen und ist bestrebt, ihre Aktivitäten zu erweitern. OCP hat auch Niederlassungen im Bundesstaat Sao Paolo.

Die Briefe, die WSRW im Januar 2021 an Cefértil und Copebras/CMOC geschickt hat, sind hier bzw. hier zugänglich.

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