Niederländisch-belgisches Unternehmen baut Konflikt-Windpark
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Das Projekt, das in Partnerschaft mit dem Energieunternehmen des neuen marokkanischen Premierministers entwickelt wird, erhöht den Anteil der besetzten Gebiete an der Windenergieerzeugung Marokkos bis 2030 auf 52,25 %.

03. November 2021

Am 12. Oktober 2021 enthüllte Africa Intelligence das "geheime Windradprojekt" des neuen marokkanischen Premierministers Aziz Akhannouch: Ein 200-MW-Windpark, der ursprünglich für Safi in Marokko geplant war, nun aber in Dakhla, an der Küste der besetzten Westsahara, errichtet werden soll. Die Nachrichtenagentur berichtete, dass das Projekt bisher weder von der marokkanischen Regierung noch von seinen Investor:innen erwähnt wurde. Auf der Website des marokkanischen Energieministeriums ist es weiterhin als Windpark Safi aufgeführt [Download hier].

Das Projekt ist im am 6. Oktober erschienenen Bericht "Greenwashing Occupation" von Western Sahara Resource Watch als Windpark Safi aufgeführt. WSRW hatte damals errechnet, dass der Anteil der marokkanischen Windenergieerzeugung in der besetzten Westsahara bis 2030 47,2 % erreichen würde. Die Verlegung des Standorts dieses Windparks von einer Seite der Grenze zwischen Marokko und der Westsahara auf die andere bedeutet, dass die Westsahara bis zu diesem Zeitpunkt 52,25 % der marokkanischen Windenergieerzeugung liefern wird.

Berichten zufolge ist das belgische Unternehmen Windvision NV mit der Entwicklung des Parks beauftragt.

"Es ist verwunderlich, dass ein Unternehmen, das behauptet, nachhaltig zu arbeiten, ein solches Projekt auf besetztem Land baut. Wir fordern Windvision auf, sich an die Grundsätze des EU-Gerichtshofs zu halten und dieses groteske Projekt zu stoppen", erklärte Sara Eyckmans von Western Sahara Resource Watch und bezog sich dabei auf das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs, mit dem zwei bilaterale Abkommen zwischen der EU und Marokko für ungültig erklärt wurden, weil sie ohne die ausdrückliche Zustimmung des von der UNO anerkannten Vertretung des Volkes der Westsahara auf das Territorium der Westsahara angewendet wurden.

WSRW schrieb am 18. Oktober an Windvision und fragte, ob die Behauptungen von Africa Intelligence bestätigt werden könnten und wenn ja, welche Schritte das Unternehmen unternommen habe, um die Zustimmung des Volkes der Westsahara einzuholen. Eine Antwort wurde nicht erteilt.

Im Jahr 2018 erhielt eine Tochtergesellschaft von Windvision, die Compagnie Marocaine des Energies (CME), vom marokkanischen Energieministerium eine Lizenz für die Entwicklung eines 200-MW-Windparks in Safi. Ein Unternehmen namens CME Windfarm Safi wurde gegründet, um das Projekt zu entwickeln. CME gelang es jedoch nicht, die erforderlichen finanziellen Vorkehrungen zu treffen, bevor die Lizenz im Februar 2021 auslief. 

Ein Unternehmen namens Windvision Safi Holding BV ist in den Niederlanden registriert.

Im März 2021 erwarb das marokkanische Unternehmen Green of Africa (GoA) eine 70%ige Mehrheitsbeteiligung an der Firma CME Windfarm Safi, die kurz darauf in GoA Dakhla umbenannt wurde. Nach Angaben des Geschäftsführers von CME hat das marokkanische Energieministerium die Standortverlegung genehmigt und die Lizenz bis 2023 verlängert. 

Green of Africa ist eine Projektentwicklungsfirma für erneuerbare Energien mit mächtigen Eigentümer:innen. Das Unternehmen ist Teil der Akwa-Holding, die dem neuen milliardenschweren marokkanischen Premierminister Aziz Akhannouch gehört. Miteigentümer des Unternehmens sind zwei Freunde von Akhannouch: der Bankier Otham Benjelloun von der BMCE Bank of Africa und Mustapha Amhal von der Amhal Group. Green of Africa wurde zwar 2015 gegründet, hat aber bisher noch kein Portfolio. Der Windpark Dakhla wird somit das erste Projekt des Unternehmens sein, das von dem 2019 ernannten CEO Ahmed Nakkouch geleitet wird, dem ehemaligen Chef von Nareva, dem Unternehmen für erneuerbare Energien im Besitz des marokkanischen Königs.

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