Polisario ergreift rechtliche Schritte bezüglich Ryanair
6ae0b79970a7b_RyanairOubi

Auf einer Pressekonferenz in Madrid gab die Frente Polisario am 26. Oktober 2026 bekannt, dass die Befreiungsbewegung der Westsahara ein Gerichtsverfahren gegen die spanischen Behörden einleitet, weil diese Ryanair eine Fluggenehmigung für Flüge in die besetzte Westsahara erteilt haben.

26. October 2026

„Unser Ziel ist es, dass die spanische Regierung die Lizenz zurückzieht, die sie Ryanair rechtswidrig erteilt hat“, erklärte der Vertreter der Frente Polisario, Oubi Bachir.

Ryanair nahm am 19. Januar 2025 Flüge von Madrid und Lanzarote nach Dakhla auf und stellt die Stadt dabei als Teil Marokkos dar. Dakhla liegt in der Westsahara, einer ehemaligen spanischen Kolonie, die nach wie vor auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung steht und größtenteils von Marokko besetzt ist.

Die Fluggesellschaft hatte die Strecken bereits im November 2024 angekündigt, bezeichnete Dakhla dabei als den dreizehnten Flughafen in ihrem „marokkanischen Streckennetz“ und dankte der marokkanischen Regierung für ihre „Unterstützung und Weitsicht bei der Sicherung dieser bedeutenden Investition“.

Die Flüge werfen Fragen hinsichtlich der Rechtsgrundlage für den Betrieb von Strecken in das Gebiet auf. Im Jahr 2018 entschied der Gerichtshof der Europäischen Union, dass das Luftverkehrsabkommen zwischen der EU und Marokko nicht für die Westsahara gilt, da sie von Marokko gesondert und unterschiedlich ist. Im Januar 2025 bestätigte die Europäische Kommission noch einmal, dass das Abkommen keine Flüge zwischen EU-Mitgliedstaaten und der Westsahara abdeckt.

Im November 2024 forderte Western Sahara Resource Watch (WSRW) Ryanair auf, seine Entscheidung und die Darstellung von Dakhla als zu Marokko gehörig zu erklären. WSRW erhielt keine Antwort.

Der Streit hat auch Irland erreicht. Im Oktober 2026 kam die irische Werbeaufsichtsbehörde zu einer vorläufigen Feststellung, dass Ryanairs Beschreibung von Dakhla als „marokkanisches Abenteuer“ geeignet sei, Verbraucher:innen irrezuführen. Marokko versucht, Dakhla zu einem Tourismuszentrum in diesem Gebiet zu machen.

Die Klage der Polisario richtet sich nun gegen die Genehmigung der Flüge durch Spanien und rückt die Aktivitäten von Ryanair in einem Gebiet, dessen internationaler Status nach wie vor ungeklärt ist, erneut in den Fokus. Es wurde mitgeteilt, dass weitere Informationen bei einer Veranstaltung im Europäischen Parlament am 4. November vorgestellt werden.

 

Da Sie schon einmal hier sind...

Die Recherchen von WSRW werden mehr denn je gelesen und genutzt. Unsere Arbeit ist zum überwiegenden Teil ehrenamtlich, sie erfordert Zeit, Hingabe und Sorgfalt. Aber wir tun sie, weil wir glauben, dass sie wichtig ist - und wir hoffen, dass Sie das auch tun. Mit einer kleinen monatlichen Unterstützung können Sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Zukunft von WSRW zu sichern und dafür sorgen, dass wir weiterhin unseren komplett unabhängigen Recherchen nachgehen können. 

Eine regelmäßige Spende können Sie hier einrichten. Vielen Dank!  

Nachrichten

UN-Sicherheitsrat könnte Besatzung der Westsahara gutheißen

Am 30. Oktober könnte der UN-Sicherheitsrat über eine Resolution zur Westsahara abstimmen, die das Selbstbestimmungsrecht des sahrauischen Volkes unter Missachtung der UN-Charta ausklammert.

27. October 2026

Irische Werbeaufsichtsbehörde: Ryanairs Werbung für Flüge in die Westsahara irreführend

In einer vorläufigen Entscheidung stellt die irische Werbeaufsichtsbehörde fest, dass die Anzeigen der Fluggesellschaft geeignet sind, in die Irre zu führen, da Dakhla „kein Teil Marokkos ist“.

16. October 2026

Gdeim Izik-Gefangene setzen Hungerstreik fort

Die sahrauischen politischen Gefangene haben in marokkanischen Gefängnissen erneut einen Hungerstreik begonnen und fordern ihre Freilassung, bessere Haftbedingungen sowie die Umsetzung von UN-Beschlüssen.

06. October 2026

Noch ein Unternehmen des marokkanischen Königs in der besetzten Westsahara

Ein Unternehmen, das eng mit dem königlichen Geschäftsnetzwerk Marokkos verbunden ist, hat sich an einem neuen Projekt in der besetzten Westsahara beteiligt. Dabei geht es um eine Partnerschaft mit einem staatlichen chinesischen Stromkonzern, um Hochspannungsinfrastruktur in Boujdour zu errichten.

10. September 2026