Marokkos Vorstoß im Bereich grüner Wasserstoff hat einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht – auf einem Gebiet, das ihm rechtlich nicht gehört.
TAQA Morocco und Moeve haben bekannt gegeben, dass sie im Rahmen des „Offre Maroc” des Landes für die Entwicklung von grünem Wasserstoff eine vorläufige Vereinbarung für Landkonzessionen mit der marokkanischen Regierung unterzeichnet haben.
Die Vereinbarung bringt das TAQA-Moeve Konsortium im Projektentwicklungsprozess über frühere Absichtserklärungen und Interessenbekundungen hinaus weiter voran. Das Konsortium gehörte zu der ersten Gruppe von Investor:innen, die im März 2025 von der marokkanischen Regierung ausgewählt wurde.
Durch die Sicherung von Land für industrielle Nutzung ermöglicht die Vereinbarung den Unternehmen nun, mit Machbarkeitsstudien, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Genehmigungsverfahren fortzufahren.
Landzuteilung ohne Rechtsanspruch
Es gibt jedoch ein grundlegendes rechtliches Problem.
In der Pressemitteilung von TAQA wird der Projektstandort ausdrücklich als in Dakhla gelegen bezeichnet, das als „in den südlichen Regionen Marokkos” beschrieben wird (die Pressemitteilung kann auch hier heruntergeladen werden)
Dakhla liegt jedoch an der Küste der Westsahara, einem Gebiet, das von den Vereinten Nationen als Hoheitsgebiet ohne Selbstregierung anerkannt ist und seit 1975 unter illegaler marokkanischer Besatzung steht.
Mit der Landreservierung in Dakhla weisen die marokkanischen Behörden ein Gebiet zu, über das sie keinen Rechtsanspruch haben. Das Völkerrecht stellt klar, dass die Westsahara von Marokko gesondert und unterschiedlich ist und dass eine Besatzungsmacht ohne die Zustimmung des sahrauischen Volkes kein Recht hat, über Land oder natürliche Ressourcen in diesem Gebiet zu verfügen.

Western Sahara Resource Watch (WSRW) hat bereits zuvor über Marokkos Bestrebungen berichtet, riesige Projekte für grünen Wasserstoff und erneuerbare Energien in der Westsahara zu fördern. Diese werden oft als klimafreundliche Investitionen dargestellt, während der rechtliche Status des Gebiets umgangen wird. Die Vereinbarung mit TAQA und Moeve ist ein weiterer Schritt, um ausländische Unternehmen durch langfristige Infrastrukturentwicklung in die Besatzung Marokkos einzubinden.
Projektstruktur: Energie aus der Westsahara für Produktion in Marokko?
Es ist unklar, ob das gesamte Projekt in der Westsahara angesiedelt sein wird.
Laut der Ankündigung wird TAQA Morocco die Komponenten für die Infrastruktur zur Erzeugung erneuerbarer Energien als Teil des Projekts am Standort Dakhla liefern, während Moeve „die Produktion und Vermarktung von E-Kraftstoffen im Hafen von Jorf Lasfar” leiten wird, der sich im Staatsgebiet Marokkos befindet.
Während somit klar ist, dass die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien – Wind und/oder Sonne – in der besetzten Westsahara stattfinden wird, bleibt die Erklärung unklar, wo die nachgelagerte Umwandlung in E-Kraftstoffe oder grünes Ammoniak erfolgen soll. Die Produktion könnte in der Westsahara stattfinden – die von den marokkanischen Behörden als besonders geeignet für grünen Wasserstoff beworben wird – oder in Marokko selbst.
Eine Trennung der Produktionsstufen über die Grenze hinweg würde es ermöglichen, die auf besetztem Gebiet erzeugte Energie in Exportprodukte umzuwandeln, die als angeblich „marokkanische“ Rohstoffe auf den internationalen Märkten angeboten werden. Dies birgt die Gefahr, dass die Herkunft der verwendeten Ressourcen verschleiert wird, und wirft ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Einhaltung des Völkerrechts auf.
Bemerkenswert ist auch der Verweis auf den Hafen von Jorf Lasfar angesichts des Baus des Tiefwasserhafens Dakhla Atlantique durch Marokko, der speziell für das Anlegen von Großschiffen wie großen Gastankern konzipiert wurde, die für den kostengünstigen Transport von Derivaten aus grünem Wasserstoff erforderlich sind. Das Hafenprojekt Dakhla Atlantique soll bis 2028 fertiggestellt werden, der Betrieb soll 2029 aufgenommen werden, und es wird als Eckpfeiler der marokkanischen Energieexportambitionen in der Westsahara beworben.
Schweigen der Unternehmen
Das TAQA-Moeve-Projekt ist Teil der umfassenderen Strategie Marokkos für grünen Wasserstoff, die von den Behörden als eine Säule des künftigen Wirtschaftswachstums und der Dekarbonisierung präsentiert wird. In der Westsahara laufen solche Projekte jedoch Gefahr, als Instrumente zur Normalisierung und Verfestigung der Besatzung zu dienen, indem sie die Land- und Windressourcen des Gebiets an eine langfristige, von der Besatzungsmacht implementierte, exportorientierte Energieinfrastruktur binden.
TAQA ist in der Westsahara bereits stark präsent. Im Jahr 2023 erhielt das Unternehmen zusammen mit der marokkanischen Königlichen Holdinggesellschaft Nareva den Zuschlag für eines der größten Energieinfrastrukturprojekte, das jemals in diesem Gebiet durchgeführt wurde: den Bau einer 1.200-MW-Windkraftanlage in der besetzten Westsahara und einer 1.400 km langen Übertragungsleitung, um den Strom nach Marokko zu transportieren. Dieses Projekt wurde, ebenso wie die aktuellen Pläne für grünen Wasserstoff, ohne die Zustimmung des sahrauischen Volkes vergeben.
WSRW wandte sich im Juli 2025 schriftlich an TAQA und Moeve (ehemals Cepsa) und bat sie um Klarstellung, ob ihr geplantes Projekt nördlich oder südlich der international anerkannten Grenze zwischen Marokko und der Westsahara umgesetzt werden soll. Keines der beiden Unternehmen hat darauf reagiert.
„Es ist zutiefst beunruhigend, dass diese Unternehmen ein Projekt vorantreiben, das auf Land in der besetzten Westsahara basiert, ohne den rechtlichen Status des Gebiets oder die Rechte seines Volkes zu berücksichtigen“, sagt Sara Eyckmans von WSRW. „Indem sie Land von einer Besatzungsmacht ohne Rechtsanspruch akzeptieren, gehen die Unternehmen nicht nur rechtliche Risiken ein, sondern tragen auch aktiv zur Normalisierung einer Besatzung bei, die vom Völkerrecht verurteilt wird.“
WSRW bekräftigt, dass Unternehmen, die in den Bereichen erneuerbare Energien, Wasserstoff und E-Kraftstoffe tätig sind, die Westsahara nicht als Erweiterung Marokkos behandeln dürfen. Jedes Projekt, das ohne die Zustimmung des sahrauischen Volkes auf Land oder Ressourcen in diesem Gebiet basiert, verstößt gegen das Völkerrecht, unabhängig davon, ob Teile der Wertschöpfungskette an anderen Orten angesiedelt sind.
Im März 2025 veröffentlichten acht Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen eine gemeinsame Erklärung, in der sie Marokko aufforderten, den Abriss von Häusern der Sahrauis im Zuge der Ausweitung seiner Projekte für grüne Energie in diesem Gebiet zu stoppen. Die Erklärung folgte auf erneute Besorgnis über die systematische Unterdrückung der Stimmen der Sahrauis, darunter Journalist:innen, Aktivist:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen.
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