Neuer Bericht deckt Kund:innen des Konfliktminerals aus der Westsahara auf
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Besonders Indien und Neuseeland fallen als Hauptimportierende von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara auf, wie WSRWs neuester Jahresbericht zu dem umstrittenen Handel zeigt. 

13. April 21

Western Sahara Resource Watch veröffentlicht heute seinen Jahresüberblick für das Jahr 2020 über Unternehmen, die am Kauf des Konfliktminerals Phosphat in der besetzten Westsahara beteiligt sind.

Der Bericht dokumentiert alle Lieferungen, die 7 oder 8 verschiedene Abnehmer:innen auf der ganzen Welt im Kalenderjahr 2020 aus dem besetzten Territorium erhalten haben. Das gesamte Exportvolumen wird auf 1,1 Millionen Tonnen mit einem prognostizierten Wert von 170,8 Millionen USD geschätzt. Dieses Geld landet letztendlich in den Händen der staatlichen Phosphatgesellschaft Marokkos, OCP SA, die über kein Recht oder gesetzliches Mandat für die Westsahara verfügt. Die Fracht wurde an Bord von 22 Schüttgutfrachtern transportiert.

Der Frachter 'Pacific Crown', hier am 27. Februar 2021 in der Straße von Gibraltar mit Richtung El Aaiún in der Westsahara gesichtet. Das Schiff nahm Fracht auf, die zu Paradeep, Indien, transportiert werden sollte, dem größten importierenden Unternehmen des Konfliktminerals der Westsahara. Insgesamt 22 Schiffe transportierten im Jahr 2020 1,12 Millionen Tonnen aus dem Territorium. 

Der Export bleibt ungefähr auf dem Niveau des Rekordtiefs von 2019. Berechnungen von WSRW zeigen, dass der Handel mit OCPs Joint Venture Paradeep in Indien und mit zwei Agrargenossenschaften in Neuseeland gegenüber dem Vorjahr relativ stabil bleibt und 64% bzw. 20,4% des gesamten Handels ausmacht. Das restliche Phosphat geht nach Brasilien, Japan und höchstwahrscheinlich nach China und auf die Philippinen.

Zwei der für die Ausbeutung der Phosphatreserven in der Westsahara durch Marokko wichtigsten dienstleistenden Unternehmen, Continental und Epiroc, haben nach Druck von Investor:innen kürzlich ihre langfristigen Verträge nicht mehr verlängert.  

Laden Sie hier den Bericht P for Plunder 2021 (englisch) herunter.

Nach einer Überprüfung von Quellen aus den Einfuhrländern ist WSRW zu dem Schluss gekommen, dass der Wert der Waren, mit denen Marokko durch den Handel verdient, ungefähr doppelt so hoch sein könnte, wie wir in früheren Ausgaben des P for Plunder‑Berichts geschätzt haben.                                                                                                                   

Das illegal abgebaute Phosphatgestein ist eine wichtige Einnahmequelle für die marokkanische Regierung, die unter Verletzung des Völkerrechts große Teile des Territoriums der Westsahara unter militärischer Besatzung hält. Vertreter:innen des sahrauischen Volkes haben sich konsequent gegen den Handel ausgesprochen, sowohl allgemein vor den Vereinten Nationen, als auch konkret gegenüber einzelnen Unternehmen. 

Hier finden Sie frühere Ausgaben der P for Plunder-Berichte, die seit 2014 veröffentlicht wurden. WSRW fordert alle am Handel beteiligten Unternehmen auf, alle Käufe von Phosphat aus der Westsahara unverzüglich einzustellen, bis eine Lösung des Konflikts gefunden wurde und die Ausübung seines Grundrechts auf Selbstbestimmung für das sahrauischen Volk gesichert ist. Investor:innen werden gebeten, bei den entsprechenden Unternehmen diesbezüglich einzuwirken oder Anteile zu veräußern, es sei denn, die Unternehmen verpflichten sich eindeutig zum Rückzug aus dem Handel. 

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