Jetzt gerade: Siemens Gamesa verschifft Konfliktwindräder
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Siemens Gamesa verlädt heute in Motril, Spanien, große Masten an Bord eines Schiffes, um sie in die besetzte Westsahara zu exportieren.

06. Juli 2021

Foto: Masten von Siemens-Gamesa-Windrädern bei der Verladung im Hafen von Motril, Südspanien, am Nachmittag des 6. Juli 2021. Alle Videos und Bilder in diesem Artikel können kostenlos ohne Quellenangabe verwendet werden.

Am Nachmittag des 6. Juli 2021 verlädt Siemens Gamesa Renewable Energy (SGRE) im Hafen von Motril in Südspanien Windradmasten auf das Frachtschiff Johannes. Die Masten sind höchst umstritten, da sie für einen neuen, monströs großen Windpark in der besetzten Westsahara verwendet werden sollen. 

Fotos, die Western Sahara Resource Watch (WSRW) heute erhalten hat, zeigen das Logo von Siemens Gamesa Renewable Energy auf den Masten, während sie auf das Schiff verladen werden.

Dies ist das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass SGRE einen solchen Export in das besetzte Territorium vornimmt. Am 29. Juni 2021 traf dasselbe Frachtschiff im Hafen von El Aaiún ein mit einer ähnlichen Ladung, die es im Hafen von Motril aufgenommen hatte. Augenzeugen:innen aus dem Hafen von El Aaiún berichteten, sie hätten gesehen, wie an diesem Tag Windradteile von der Johannes verladen wurden.

Ein Schwesterschiff der Johannes, die Aramis, soll am Morgen des 7. Juli 2021 in Motril eintreffen, höchstwahrscheinlich um weitere Ladung aufzunehmen. WSRW geht davon aus, dass die Masten aus einer Siemens-Gamesa-Fabrik in Linares, Jaen, stammen. Ein weiteres Schiff der gleichen Flotte, das Frachtschiff Breb Countess, erreichte gestern, am 5. Juli, den Hafen von Dakhla, nachdem es seine Ladung in der Türkei aufgenommen hatte. Die Breb Countess liegt so tief im Wasser, dass sie in El Aaiún nicht entladen kann. Dakhla hat ein tieferes Hafenbecken. 

Die Windradteile sind für einen riesigen 300-MW-Windpark in Boujdour bestimmt - der derzeit von der italienischen Enel Green Power und dem marokkanischen Windenergieunternehmen Nareva, das dem marokkanischen König gehört, entwickelt wird. 

WSRW verurteilt Siemens Gamesas fortgesetzte Unterstützung der marokkanischen Besatzung. 

"Ja, die Welt braucht erneuerbare Energie. Aber das gibt Siemens Gamesa nicht das Recht, solche Anlagen in ein Gebiet zu schicken, das unter brutaler Besatzung steht. Diese Windparks tragen dazu bei, die marokkanische Besatzung der Westsahara zu zementieren", kommentierte Sara Eyckmans von Western Sahara Resource Watch. 

Im September 2020 gab Siemens Gamesa bekannt, dass es einen riesigen neuen Auftrag erhalten hat, der die "Lieferung, den Transport, die Installation, die Inbetriebnahme und die Überprüfung von 87 Einheiten der Windturbine SG 3.4-132 sowie einen 5-Jahres-Servicevertrag" für das umfasst, was das Unternehmen als "den Boujdour-Windpark, im Süden Marokkos gelegen" bezeichnet. 

Boujdour ist eine zentral an der Küste gelegene Stadt des Teils der Westsahara, der seit 1975 von Marokko militärisch besetzt ist. Seit den ersten Aktivitäten von Siemens in dem besetzten Territorium ist der Europäische Gerichtshof in vier Urteilen zu dem Schluss gekommen, dass die Westsahara und Marokko "gesonderte und unterschiedliche" Territorien sind und dass Handelsabkommen mit Marokko nicht für die Westsahara abwendbar sind. 

Sowohl Enel als auch Siemens Gamesa wurden Anfang des Jahres von Norwegens größter privater Vermögensverwaltung aus dem Portfolio ausgeschlossen, weil sie zur Verletzung des Völkerrechts in dem besetzten Territorium beitragen.

Seit 2015 hat der Europäische Gerichtshof wiederholt geurteilt, dass Marokko keine Souveränität über die Westsahara hat und auch kein internationales Mandat, sie zu verwalten. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages hat die Westsahara als besetztes Territorium eingestuft und sieht in der Siedlungspolitik Marokkos einen Verstoß gegen die Genfer Konvention begründet. Als solches gilt dort das Humanitäre Völkerrecht. Siemens Gamesa trägt zur Aufrechterhaltung dieser Situation bei.

Buchstäblich jeder Windpark in der besetzten Westsahara ist mit Windrädern von Siemens ausgestattet. Trotz immer neuer Fragen von Aktionär:innen weicht der deutsche Maschinenbaukonzern Fragen nach der Rechtmäßigkeit seiner Aktivitäten in dem Territorium immer wieder aus

WSRW schrieb Siemens Gamesa zuletzt im Februar 2021 und Enel im Juni 2020. Beide Unternehmen vermeiden es, Fragen zur Rechtstatus des Territoriums, zur Rechtmäßigkeit der marokkanischen Präsenz und zum Recht des sahrauischen Volkes, selbst über diese Angelegenheiten zu entscheiden, zu beantworten. 

Der Boujdour-Windpark ist Teil von Marokkos integriertem Windkraftprojekt, das die Installation von 850 MW Windkraftleistung in fünf Parks vorsieht. Drei dieser Parks befinden sich in Marokko selbst, während zwei in der besetzten Westsahara angesiedelt sind: in Boujdour und in Tiskrad, nahe El Aaiún. Diese beiden Parks werden die Hälfte der geplanten Kapazität des Projekts liefern. Ursprünglich war die Anlage in Boujdour mit einer Kapazität von 100 MW konzipiert, während Tiskrad mit 300 MW angesetzt war. Es sieht so aus, als ob dies umgedreht wurde, da der Boujdour-Park eine Gesamtkapazität von 300 MW haben wird. Das integrierte Windkraftprojekt wurde 2012 ausgeschrieben. Im Jahr 2015 gab Marokkos nationale Elektrizitätsagentur ONEE bekannt, dass der Zuschlag an das Konsortium aus Enel Green Power, Nareva und Siemens Wind Power ging.

Als Teil des Fünf-Windpark-Deals eröffnete Siemens eine Windturbinenfabrik in Tanger, im Norden Marokkos. Die Fabrik wurde im Jahr 2017 eingeweiht. WSRW erwartet, dass die Blätter für die Mühlen in Boujdour von dieser Fabrik kommen werden.

Die Schiffe Johannes (IMO 9815343) und Aramis (IMO 9815329) führen beide die niederländische Flagge, während Breb Countess die portugiesische Flagge führt. Alle gehören zur Flotte der deutschen Reederei Briese. Dieselbe Firma stand hinter 9 dokumentierten Verschiffungen für Siemens Gamesa in den Jahren 2012 und 2013 für den Bau des 50-MW-Windparks Foum el Oued, der heute die gesamte Energie liefert, die Marokkos staatliches Phosphatunternehmen OCP für den illegalen Betrieb der Phosphatindustrie in der Westsahara benötigt. WSRW schrieb seinerzeit an die Reederei, erhielt aber keine Antwort. 

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