Marokko schließt Ausschreibung zur Verschärfung der Besatzung ab
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Die marokkanische Regierung hat soeben eine Ausschreibung für den Aushub von 4000 Kubikmetern Erdboden im Rahmen der Suche nach Mineralien in der besetzten Westsahara abgeschlossen. 

21. April 2022

Die staatliche marokkanische Ölgesellschaft L’Office National des Hydrocarbures et des Mines (ONHYM) hat letzte Woche das Zeitfenster für Beteiligungen an einer weiteren Ausschreibung im Rahmen ihrer Mineralienexploration in dem Teil der Westsahara geschlossen, den Marokko illegal besetzt hält. 

Ausgeschrieben wurden 4000 Kubikmeter Boden in Form von insgesamt 1,3 km langen Gräben, die drei Meter tief und einen Meter breit sind. 

Das Trenching ist eine gängige Technik der Mineralienerkundung, bei der in regelmäßigen Abständen - z. B. jeden Meter - Gesteinsproben für geochemische Analysen entnommen werden. Durch das Graben soll frischeres und repräsentativeres Gestein unterhalb der ausgehobenen Sand- und Kiesschicht erreicht werden.

Die jetzt abgeschlossene Ausschreibung folgt nur ein Jahr nach einer ähnlichen Ausschreibung, die von einem marokkanischen Unternehmen gewonnen wurde. Die letztjährige Ausschreibung war etwas kleiner - sie umfasste 800 Meter Länge und insgesamt 2400 Kubikmeter Bodenvolumen.

Die Zonen, die den Ausschreibungen von 2021 und 2022 entsprechen, sind auf der obigen, von WSRW erstellten Karte zu sehen. Die diesjährige Ausschreibung endete am 14. April 2022. 

Wie immer bezeichnet ONHYM den Standort in den Ausschreibungsunterlagen als in den "Südlichen Provinzen" gelegen. So bezeichnet Marokko das Territorium, auf das es Ansprüche erhebt; diese werden jedoch von der UN, dem Internationalen Gerichtshof, dem EU-Gerichtshof und der Afrikanische Union zurückgewiesen.

ONHYM ist dabei selbst Partner des kanadischen Unternehmens Metalex in einem Joint-Venture bei der Mineralerkundung im selben Gebiet der Westsahara. Western Sahara Resource Watch (WSRW) berichtete Anfang des Monats, dass Berichte von Metalex darauf hindeuten, dass das Unternehmen seine Partnerschaft mit ONHYM fortsetzt. WSRW ist sich nicht sicher, ob es einen Zusammenhang zwischen dem in der Ausschreibung beschriebenen Schürfprogramm und der Partnerschaft zwischen ONHYM und Metalex im illegal besetzen Territorium gibt. 

Laut den geografischen Angaben im Ausschreibungsdokument werden die Arbeiten in nur einer der vier "vorgeschlagenen Zonen" im südlichen Teil der besetzten Westsahara, süd-südöstlich von Dakhla, durchgeführt. ONHYM wird die endgültige Entscheidung darüber treffen, welche Zone genau erkundet werden soll, nachdem die erforderlichen Genehmigungen der marokkanischen Armee eingeholt wurden.

Das Gebiet, das Gegenstand der nun abgeschlossenen Ausschreibung ist, wurde bereits in der Vergangenheit von Marokko geochemisch untersucht. Kürzlich veröffentlichte Dokumente mit den Titeln "Recherche Strategique" [Download hier] und "Geochemical Surveys in Southern Provinces of Morocco" [Download hier] zeigen den Stand dieser Untersuchungen.

Der Bereich Rechtsangelegenheiten des UN-Sekretariats kam bereits 2002 zu dem Schluss, dass jede weitere Mineralienexploration in dem Territorium gegen internationales Recht verstoßen würde, wenn sie nicht im Einklang mit den Wünschen des sahrauischen Volkes erfolgt. Seit 2016 hat der Gerichtshof der Europäischen Union in fünf aufeinanderfolgenden Urteilen festgestellt, dass die Handelsabkommen zwischen der EU und Marokko das Gebiet nicht abdecken können, da die Westsahara nicht zu Marokko gehört und das Volk der Westsahara nicht der Einbeziehung ihres Hoheitsgebiets in solche Abkommen zugestimmt hat. 

Details der ONHYM-Ausschreibung für den Grabenbau 2022 finden Sie in den folgenden Dokumenten: 

Ausschreibungs-Beschreibung [Download hier]

Regeln [Download hier]

Ausschreibungsschreiben [Download auf Französisch und Arabisch]

Illustration aus der Ausschreibung von ONHYM für den Aushub des 4000 Kubikmeter großen Grabens, 2022. 
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