Wahrscheinlich neue Lieferung an Incitec Pivot
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Australien wird zum ersten Mal seit sechs Jahren eine umstrittene Phosphatlieferung aus der besetzten Westsahara erhalten. 

23. September 2022

Bild oben: Demonstration vor der Jahreshauptversammlung von Incitec Pivot im Jahr 2009, als das Unternehmen in großem Umfang Phosphat aus der besetzten Westsahara importierte. 

Das unter der Flagge Panamas fahrende Schiff Clipper Isadora (IMO: 9883091) ist derzeit auf dem Weg durch den Indischen Ozean zum Hafen von Geelong, Australien. Das Schiff wird voraussichtlich am 15. Oktober 2022 mit einer Ladung Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara eintreffen. Es handelt sich um die erste Phosphatlieferung aus der Westsahara nach Australien seit sechs Jahren. 

Im Hafen von Geelong befindet sich eine Düngemittelfabrik, die dem australischen Düngemittelunternehmen Incitec Pivot Ltd (IPL) gehört. Für diese Fabrik hat IPL jahrzehntelang das Konfliktmineral importiert, bis es im Dezember 2016 die letzte Lieferung erhielt. IPL war das letzte der drei australischen Düngemittelunternehmen, die den umstrittenen Rohstoff importiert hatten, und es wurde angenommen, dass das Unternehmen die kontroversen Importe eingestellt hatte. 

Die Ladung, die derzeit nach Geelong unterwegs ist, stammt aus der Mine Bou Craa in der Westsahara und wird von der staatlichen marokkanischen Phosphatgesellschaft OCP exportiert. Marokko hat kein Recht, solche Phosphate aus dem von ihm besetzten Gebiet zu exportieren. Das Schiff nahm seine Ladung während seines Aufenthalts im Hafen von El Aaiún vom 28. August bis zum Abend des 5. September auf. 

Western Sahara Resource Watch (WSRW) schrieb Incitec Pivotam 20. September bezüglich der Clipper Isadora. Das Unternehmen hat den Eingang des Schreibens bestätigt und mitgeteilt, dass eine Antwort unterwegs ist. 

Die Angabe von Geelong als Ankunftshafen wurde vom Schiff bei der Durchfahrt durch den Suezkanal am 17. September signalisiert. Die Bewegungen des Schiffes können auf der Website Marinetraffic live verfolgt werden. 

2019, drei Jahre nach der letzten beobachteten Lieferung an Incitec Pivot, fragte WSRW das Unternehmen, ob es eine Erklärung abgeben würde, dass es in Zukunft keine Phosphatimporte aus der Westsahara mehr tätigen würde. Incitec Pivot gab jedoch keine Antwort. 

Aufgrund der bisherigen Importe von IPL in den Hafen von Geelong, der mangelnden Klarheit des Unternehmens hinsichtlich seiner Westsahara-Politik und der fehlenden Antwort von IPL zum aktuellen Fall Clipper Isadora hält es WSRW für wahrscheinlich, dass die Ladung an Bord des Schiffes für IPL bestimmt ist.   

Die Route über den Suezkanal ist bisher einmalig. Alle Lieferungen, die WSRW in der Vergangenheit von der Westsahara nach Australien verfolgte, nahmen den Weg über das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika. Im Jahr 2017 wurde das Schiff NM Cherry Blossom im südafrikanischen Port Elizabeth auf dem Weg nach Neuseeland festgehalten, und der südafrikanische High Court entschied, dass die Ladung gestohlen und illegal exportiert worden war. Seitdem haben keine Phosphatlieferungen mehr diese Route genommen. 

In den letzten zehn Jahren wurde Incitec Pivot von zahlreichen größeren Anteilseigner:innen wegen seiner Käufe aus dem besetzten Gebiet ausgeschlossen. Nachdem Incitec Pivot jedoch seine Importe ab 2016 offensichtlich eingestellt hatte, wurde das Unternehmen aus der Versenkung geholt. Wenn Incitec Pivot nun die Importe von Phosphatgestein aus dem Gebiet wieder aufgenommen hat, ist es das einzige börsennotierte Unternehmen der Welt, das dies tut.

Aufgrund fehlender Garantien und der Unfähigkeit, Fragen von WSRW zu beantworten, stand das Unternehmen weiterhin auf der "Beobachtungsliste" in der WSRW-Reportserie P for Plunder, die den Phosphathandel aus der Westsahara nachzeichnet. 

"Es ist traurig, dass sich ein australisches Unternehmen und australische Landwirt:innen erneut an der Finanzierung der brutalen Besetzung der Westsahara beteiligen. Wenn Incitec Pivot nun die Importe aus dem Gebiet wieder aufgenommen hat, können verantwortungsbewusste Anleger:innen unserer Meinung nach keine IPL-Aktien mehr in ihre Portfolios aufnehmen. Die Anleger:innen müssen die Gewissheit haben, dass die Beschaffungs- und Lieferkettenpolitik von IPL selbst gelegentliche Importe von Phosphatgestein aus der Mine Bou Craa in der Westsahara verhindert", erklärte Cate Lewis von WSRW Australien.

WSRW fordert die Investor:innen auf, in Bezug auf drei Aspekte Druck auf Incitec Pivot auszuüben:

  • Nachzufragen, ob die Ladung an Bord der Clipper Isadora tatsächlich für IPL bestimmt ist.
  • Sicherzustellen, dass IPL keinen großen Liefervertrag mit OCP für Phosphatgestein aus dem illegal besetzten Territorium unterzeichnet hat.
  • Sicherzustellen, dass das Unternehmen über eine Lieferkettenpolitik verfügt, die garantiert, dass die Menschenrechte geachtet werden und dass kein Handel aus der Westsahara ohne die ausdrückliche Zustimmung des Volkes der Westsahara stattfindet, so wie es der EU-Gerichtshof nahegelegt hat, nämlich durch die Zustimmung seiner von der UN anerkannten Vertretung.


Die Clipper Isadora kann normalerweise bis zu 60.000 Tonnen Fracht befördern. Das Schiff scheint jedoch nach dem Beladen in El Aaiún nur einen Tiefgang von zwei Metern gemeldet zu haben. Da das Schiff einen maximalen Tiefgang von mehr als sechs Metern hat, ist es wahrscheinlich, dass es nur etwa die Hälfte seiner maximalen Kapazität befördert. 

WSRW schrieb am 20. September 2022 an das japanische Unternehmen Nissen Kaiun Co. Ltd, das Betreiber, Manager und Konzerneigner des Schiffes ist, erhielt aber keine Antwort. Ebenfalls am 20. September schrieb WSRW an den Vorstandschef des Hafens von Geelong. 

Zufälligerweise ist es nur vier Monate her, dass die Clipper Isadora das letzte Mal den Hafen von Geelong angelaufen hat. Vom 21. bis 24. Mai 2022 lag sie in Geelong (Lascelles Wharf, Liegeplatz Nr. 1 Süd), nachdem sie Portland besucht hatte. Beide australischen Häfen sind Standorte von IPL-Fabriken. 

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