Importunternehmen stoppt Einfuhr von Konfliktmineralien nach Brasilien
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Das chinesische Unternehmen China Molybdenum beendet den Import von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara, den es für seine brasilianische Tochtergesellschaft durchgeführt hatte.

14. Oktober 2021

Oben: Im Jahr 2020 verfolgte WSRW Lastwagen, die Phosphatgestein vom Hafen von Santos in ein geschlossenes Industriegebiet transportierten. 

Marokkos Exporte von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara an ein chinesisches Unternehmen in Brasilien werden nach Angaben des chinesischen Importunternehmens nicht mehr stattfinden. 

Zu Beginn dieses Jahres berichtete Western Sahara Resource Watch (WSRW), dass es Transporte von Phosphatgestein aus der besetzten Westsahara zu einem Industriegelände in Cubatão, Brasilien, verfolgt hatte. Eine Flotte von Lastwagen wurde dabei beobachtet, wie sie die Ladung 20 Minuten vom Hafen transportierten, bis sie die Eingangstore des großen Industriegeländes passierten.

Wie WSRW aus Quellen in Santos erfuhr, stecken genau genommen zwei Importunternehmen hinter den Einfuhren. Eines der beiden Unternehmen, Copebras, eine brasilianische Tochtergesellschaft des Unternehmens China Molybdenum, reagierte nicht auf eine Anfrage brasilianischer Medien im Anschluss an die Enthüllungen. WSRW hatte China Molybdenum Anfang des Jahres ebenfalls kontaktiert, ohne eine Antwort zu erhalten. 

Die Investor:innen des Unternehmens hatten jedoch mehr Erfolg. 

WSRW hat mit drei der Anteilseigner:innen von China Molybdenum Kontakt aufgenommen. Alle haben dieselben Informationen, welche den Stopp der Käufe zum Inhalt hatten, von der Investor-Relations-Abteilung des Unternehmens erhalten. 

"Wir haben uns mit dem Unternehmen in Verbindung gesetzt, um mehr über den Vorfall zu erfahren. Wir hatten einen guten Dialog mit dem Unternehmen, in dem es uns versicherte, dass es sich um einen einmaligen Vorfall handelte und dass es ein Thema ist, das es aufmerksam verfolgt. Das Unternehmen hat klargestellt, dass es kein Phosphat kaufen wird, ohne vorher eine weitere Due-Diligence-Prüfung durchgeführt zu haben", erklärte Kiran Aziz, leitende Analystin bei KLP Asset Management in Norwegen gegenüber WSRW. 

Auch ein weiter Anteilseigner aus einem anderen Land hatte die Antwort erhalten, dass keine weiteren Importe stattfinden werden. 

Das chinesische Unternehmen soll den Eigentümer:innen gegenüber klargestellt haben, dass die Vorfälle nicht Teil einer langfristigen Vereinbarung waren. 

WSRW hat drei Verschiffungen nach Brasilien im Jahr 2020 und zwei im Jahr 2019 mit einer Gesamtladung von rund 166.600 Tonnen festgestellt. Seit Dezember 2020 wurden keine Phosphatimporte mehr aus der Westsahara nach Brasilien durchgeführt.

Im Dezember 2020 hatte WSRW aus Quellen vor Ort in Brasilien erfahren, dass neben China Molybdenum auch ein anderes Unternehmen an den Importen aus dem Gebiet beteiligt war. Dieses Unternehmen leugnete seine Beteiligung gegenüber brasilianischen Medien

Der gesamte internationalen Handel mit Phosphatgestein aus der Westsahara ist in der jährlichen WSRW-Berichtsserie P for Plunder ausführlich dokumentiert. 

Der Gesamtexport aus dem Gebiet hatte sich fast halbiert, nachdem das kanadische Unternehmen Nutrien 2018 auf Druck seiner Investor:innen den Import des Konfliktminerals beendete. Seitdem versucht Marokko, international neue Abnehmer für das umstrittene Produkt zu finden. Im Juli 2021 wurden zum ersten Mal seit 2014 die Ausfuhren nach Mexiko wieder aufgenommen. Und in den Jahren 2019 und 2020 importierten Unternehmen in Brasilien zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder aus der Westsahara. 

Die Westsahara wird seit 1975 von Marokko besetzt. Die marokkanischen Phosphatexporte aus dem Gebiet verstoßen gegen das Völkerrecht. In einem Urteil des EU-Gerichtshofs vom 29. September 2021 wurde bestätigt, dass die Zustimmung des sahrauischen Volkes Voraussetzung für die Rechtmäßigkeit von Handelsabkommen, die das Territorium einschließen, ist. 

Nachrichten

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