Niederlande größter Gaslieferant in besetzter Westsahara
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Beobachtungen der Gaslieferungen in die besetzte Westsahara zeigen, dass die Niederlande der wichtigste Gaslieferant für das Jahr 2021 war.

08. April 2022

Die Häfen Rotterdam in den Niederlanden und Paulsboro, New Jersey in den USA standen hinter der Hälfte aller Gasexporte in die besetzte Westsahara im Jahr 2021. Dies ist das Ergebnis der täglichen Überwachung der Schiffsbewegungen durch Western Sahara Resource Watch (WSRW) im vergangenen Jahr. 

Insgesamt 15 Ladungen mit verflüssigtem Butangas (Liquefied petroleum gas, LPG) fanden 2021 ihren Weg nach El Aaiún in der besetzten Westsahara. Auf Grundlage von Analysen der Schiffsrouten und des Tiefgangs schätzt WSRW die Gesamtladung auf rund 47.000 Tonnen Gas. Die Transporte wurden von 11 verschiedenen, speziell für den Transport von Flüssiggas konstruierten LPG-Tankern durchgeführt. 

Drei der Schiffe liefen im Laufe des Jahres aus den Niederlanden und vier aus den USA aus. Die drei Schiffe aus Rotterdam beförderten 15.400 Tonnen - das ist etwa ein Drittel der gesamten Gaseinfuhren in die Westsahara. Sie legten alle nacheinander in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 ab. 

Die vier Schiffe aus New Jersey waren kleiner als die aus den Niederlanden, und zwei von ihnen legten auf dem Weg in das besetzte Gebiet einen Zwischenstopp in anderen Häfen ein. WSRW schätzt, dass etwa 9 500 Tonnen aus den USA verschifft wurden. 

Auch aus Kroatien, Spanien, Belgien, Italien, der Demokratischen Republik Kongo und möglicherweise Guinea-Bissau kamen im Laufe des Jahres Gaslieferungen. Das Gesamtvolumen der Einfuhren war in etwa so hoch wie in den Jahren 2019 bzw. 2020

Marokko produziert kein Gas, ist aber laut Index Mundi mit führend bei Import und Verbrauch von Butangas. Ein Großteil dieses Gases wird für die Aufrechterhaltung der Besatzung in der Westsahara verwendet. Das Gas wird importiert, um wichtige Infrastrukturen und Industrien für die illegale Besetzung zu betrieben.

Drei verschiedene Reedereien sind für die Transporte verantwortlich:

  • Die am stärksten beteiligte Reederei ist BW Epic Kosan (BWEK, früher Epic Gas). 8 der 15 Transporte erfolgten an Bord von Schiffen der BWEK-Flotte. WSRW geht davon aus, dass etwa 27.000 der 47.000 Tonnen auf BWEK-Schiffen transportiert wurden. Das norwegische Støttekomiteen for Vest-Sahara hat das Unternehmen im Zeitraum 2020-2021 sechsmal angeschrieben (unter anderem am 30. September 2021), jedoch keine Antwort erhalten.
  • Das Schiff Joseph Wisdom, mit dem zwei Lieferungen durchgeführt wurden, gehört zur Flotte der Wisdom Marine Group. Das taiwanesische Unternehmen war bereits früher an Verschiffungen von Produkten aus der Westsahara beteiligt. Im Jahr 2017 schrieb Western Sahara Resource Watch dem Unternehmen wegen eines Phosphattransports nach Kanada, erhielt aber keine Antwort.
  • Die Eco-Flotte wird von der griechischen Reederei Stealth Corp. betrieben. Das Unternehmen wurde am 25. April 2020 und am 5. Juni 2020 kontaktiert, aber die Briefe wurden nicht beantwortet.
Download der Übersicht hier (pdf)

 

Die betroffenen Schiffe im Jahr 2021 waren Eco Dominator, Epic Barbados, Epic Bell, Epic Borinquen, Epic Breeze, Epic Sicily, Epic Sula, Gaz Nemesis, Joseph Wisdom, Renaud. Die Tanker sind in Malta, Singapur, den Marshallinseln bzw. Panama registriert. 

Die obige Liste zeigt den Hafen, von dem WSRW annimmt, dass das Gas exportiert wurde, gibt aber nicht die tatsächliche Herkunft des Gases wieder. Verschiffungen aus A Coruña in Spanien stammen höchstwahrscheinlich von einem Terminal von Repsol - einem Unternehmen, das auf ein Schreiben von WSRW vom Februar 2022 nicht geantwortet hat. Das mutmaßliche Exportunternehmen in die USA wurde zwar kontaktiert, hat aber noch nicht auf unsere Anfragen geantwortet. WSRW hat im Juni und Juli 2021 in verschiedenen Artikeln über die US-Exporte in die Westsahara berichtet. Welches Unternehmen hinter den Exporten aus Rotterdam steht ist noch nicht bekannt. 

Während das Vereinigte Königreich im Jahr 2020 der Hauptexporteur von LPG in die Westsahara war, wurde 2021 kein Gas von dort exportiert. Auch aus Norwegen gab es keine Exporte. Ein im Dezember 2021 veröffentlichter Bericht des norwegischen Støttekomiteen for Vest-Sahara konfrontiert alle Unternehmen, die eine Genehmigung für den Export von norwegischem Gas aus den Häfen Kårstø in Norwegen und Teesside im Vereinigten Königreich haben. Etwa ein Drittel dieser Unternehmen kündigte an, dass sie sich an den Rat der norwegischen Regierung halten werden, sich nicht am Handel mit der Westsahara zu beteiligen. 

Im Jahr 2020 erklärten zwei Exportunternehmen aus Norwegen und Österreich, dass sie nie wieder derartige Exporte durchführen werden. 

Am 23. März 2022 veröffentlichte WSRW eine separate Übersicht über die Importe von Erdölprodukten für das Kalenderjahr 2021. Im Jahr 2014 verfasste WSRW den Bericht Fuelling the occupation über die Transporte von Erdölprodukten durch das schwedische Unternehmen Wisby Tankers in die besetzte Westsahara.

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